Warum eigentlich Nepal?

Reisebericht Nepal Sommer 2009With 0 comments

In Doha schlagen mir 40 Grad Celsius entgegen, als wir, mein Kollege Ingo und ich, aussteigen. Jetzt sitze ich in der klimatisierten Halle habe mir ein Hemd übergezogen. Der Boden unter meinen Füssen bewegt sich leicht, wenn ein Flugzeug vorüberdonnert. Zu hören ist davon allerdings nichts. Ich bin so cool wie die Luft in der Halle.

Ein kurzer Blick zurück: So gegen 11.00 Uhr heute Morgen war von der Coolness nicht viel zu spüren, ich kam spät, aber nicht zu spät am Counter an. Als ich aber als einer der letzten Fluggäste mein Gepäck aufgeben will, meint die freundliche Dame: „Sie haben neun Kilo Übergepäck, davon müssen Sie fünf bezahlen. Dort drüben am anderen Schalter. Dann kommen Sie bitte wieder her.“ Am anderen Schalter dauert’s natürlich und die Zeit wird etwas knapp. Ingo geht schon mal vor.

250 EUR für’s Übergepäck! Autsch, dass knabbert an meiner Gelassenheit. Sagen wir, der Körper ist aufgeregt, es köchelt in der Magengegend, Ärger finde ich nicht. Es ähnelt mehr dem Lampenfieber, das ich von der Bühne her kenne. Lebensgefühl. Ja, ich fühle mich gerade sehr lebendig. Kaum bin ich durch den Sicherheitscheck und habe das Gate 46 gefunden, werde ich merklich ruhiger und zweieinhalb Filme später setzt der Flieger mit einem inzwischen wieder sehr gelassenen Erich schon zur Landung an.

Und hier in Doha haben wir fünf Stunden totzuschlagen. Kennst du einen Flughafen, kennst du sie alle. Wartehallen mit Sitzreihen, die von einem Global Player in Sachen Flughafenbestuhlung kommen müssen. Die habe ich schon in Köln/Bonn gesehen.

Aber die viele Zeit hat auch ihr Gutes: Ich kann euch mal über die Hintergründe meiner Reise ins Bild setzen. Manchen wird der eine oder andere Teil schon bekannt sein, manche spielen sogar eine Rolle darin. Man möge mir bitte die eine oder andere kleine schriftstellerische Freiheit erlauben. Wem’s zuviel wird, dem biete ich eine Gegendarstellung an…

Angefangen hat es mit einem Anruf einer Kollegin von der Akademie, bei der ich als Trainer akkreditiert bin. „Hättest du im Juli und August Zeit für einen längeren Einsatz in Nepal?“ Ja, hätte ich. Natürlich hätte ich! Ich habe mich sehr gefreut über das Angebot und war gleich fest überzeugt, dass ich den Job bekomme. Tatsächlich bin ich erst später im Gespräch mit einer befreundeten Kollegin überhaupt auf die Idee gekommen, dass die Anfrage nicht mit einem Engagement gleichzusetzen ist.

Ich hab’s ja mit den Wünschen. In diesem Fall lautete die Überlegung: ‚Am Ende des Geldes könnte gern mal wieder ein Job vorbeischauen.’ Drei Tage später kam der oben erwähnte Anruf. ‚Der Denker denkt, der Beweisführer beweist‘ hat mir mein Freund Christian mal gesagt. Trifft genau auf mich zu. Ich denke, Wünschen hilft mir und mein Beweisführer liefert mir dauernd Beweise dafür. Wie z.B. diesen fantastischen Job. Aber zurück zum ‚Tathergang’.

Nach dem Anruf Anfang Juli kam die Sache langsam aber unaufhaltsam ins Rollen. Man entschied sich für mich und drei andere Kollegen, zwei Profis, die mit dem Programm in Burkina Faso schon Erfahrung gesammelt hatten und zwei Neulinge; einer davon bin ich. Wie eine Lok nahm das Projekt langsam Fahrt auf. Die Rahmenbedingungen wurden ausgehandelt und die Inhalte Stück für Stück deutlich.

Es ging um folgendes: Das nepalesische Wirtschaftsministerium hat ein Programm aufgelegt, wo Benachteiligte (junge Menschen und Frauen) einen Kleinkredit zur Errichtung eines kleinen Geschäftes gewährte. Nun haben solche Menschen eher selten eine Vorstellung davon, wie Geschäfte betrieben werden können, so dass das Ministerium eine Schulung in Sachen Entrepreneurship als Bedingung für die Gewährung verlangte.

Doch wer sollte die Schulungen durchführen? Nun, das könnten doch die regionalen Wirtschaftskammern tun. Und woher sollen die das Wissen dafür bekommen? Nun, die brauchen offenbar selbst eine Schulung und nicht nur, darüber, was sie vermitteln sollen, sondern vielleicht auch darüber wie sie es vermitteln sollen. Da traf es sich gut, dass die GTZ ein Programm namens ‚Include’ in Nepal durchführt, in dessen Rahmen nun das ‚Training of Trainers’ (ToT) stattfinden, von dem wir ein Teil sind. Aus den Erfahrungen meiner Akademie in Burkina Faso resultierte ein 2-teiliges Programm namens bus1 und bus2, dass für Nepal adaptiert wurde. Ich bin zusammen mit dem ‚alten Hasen’ Ingo für bus 2 zuständig. Die beiden anderen Kollegen sind schon Ende Juli vorgefahren, um mit dem bus1-Programm zu beginnen.

Es werden drei Gruppen á 20 Teilnehmer in verschiedenen Teilen des Landes geschult. Meist im Tiefland, wo es heiß und feucht ist. Ganz und gar nicht, wie man sich Nepal (mit dem höchsten Berg der Welt) vorstellt, nicht wahr? Netterweise beginnen aber wir in Palpa, was wohl in 1000 Metern Höhe liegt, Birendranaga und Nepalgunj, die nächsten Stationen liegen im Tiefland.

Und jetzt stehe ich schon wieder bereit zum Einchecken für den Flug nach Katmandu. Bis später…