3.9.09, 9.10 Uhr, Airport Nepalgunj, Terai, Nepal,

Reisebericht Nepal Sommer 2009With 0 comments

Der Flieger scheint pünktlich zu sein. Jedenfalls habe ich gerade eingecheckt. Draußen drieselt der Regen, aber das ist nur ein Problem für die Graspisten der kleineren Flugplätze in den Bergen meint Kurt, der schon eine Ewigkeit darauf wartet, hier wegzukommen.
Heute morgen hatte ich dann noch dank eines Bandh – das ist eine Straßensperre zu Streikzwecken, ein beliebtes politisches Mittel hierzulande – das Vergnügen, mit einer echten Riksha zu fahren, denn vom Hotel waren es nur zwei, drei Kilometer zum Flughafen. RikshaIst mir unangenehm, dass sich so ein „Grischpele“ mit höchstens 60 Kilo Lebendgewicht mit mir und meinem Gepäck abplagt. Ich hab’s dann aber doch über mich gebracht, mich herumkutschieren zu lassen.
Bei dem Wetter ist es leider nicht sehr wahrscheinlich, dass ich die Berge zu sehen bekomme. Selbst, wenn ich den Piloten überreden kann, von seiner Kanzel aus hinauszuspähen, wie mein Freund Christian (der sich standhaft weigert, die Urheberschaft schlauer Denker denkt-Gedanken einzugestehen) von ein gemeinsamen Freund zu berichten wusste.

3.9.09, 10.15 Uhr, Airport Nepalgunj, Terai
… und schon sitze ich im Flieger. Vor uns wurde ein VIP samt uniformierter Bewachung ins Flugzeug gelassen, Dem haben sie die Patronen seiner Schusswaffe abgenommen und ins Cockpit gebracht. Es gibt nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen auf dieser Welt.
Nur 20 Minuten Verspätung ist fein, zumal ich ja den ganzen Nachmittag und Abend frei habe. Mal schau’n, ob ich in Kathmandu noch ein paar Kinkerlitzchen für meine restlichen Rupies bekomme. Flieger in NepalgunjUnter mir bebt die Maschine, und die Propeller treiben den Regen am Boden hinter sich. „Über den Wolken..“ von Reinhard Mey kommt mir in den Sinn und die Erinnerung an meinen schönen fünfzigsten Geburtstag, wo wir alle zusammen dieses Lied gesungen haben, während wir Ballon-Laternen aufsteigen ließen. Das treibt mir die Tränen in die Augen. Wohl auch das Bewusstsein, dass es jetzt wirklich heißt Abschied nehmen. Abschied in Etappen.

3.9.09, 21.00 Uhr, Summit Hotel, Kathmandu, Nepal

Summit Hotel

Summit Hotel

Ich hatte mein Dal Bhat schon am Mittag und es hat mir wieder gut geschmeckt, aber ich habe es leider versäumt, mir ein Rezept dafür aufschreiben zu lassen. Ich bin am Nachmittag dann doch nur auf einen kurzen Spaziergang gewesen und nicht mehr in der Stadt, obwohl mir die Frau des zukünftigen Hotelmanagers erzählt hat, dass es heute ein großes Festival in Kathmandu gibt. Aber ich bleibe lieber im Hotel, hänge rum und lass’ meine Seele baumeln.
A propos Seele baumeln. Ich hatte mir lange Jahre das Heulen versagt als Reaktion der Bemerkung meiner Ex-Schwiegermama, man würde nur um sich selbst trauern, nie um andere. Dann kam eine Zeit, wo ich mir sagte, Trauern ist eine nach innen gerichtete Verarbeitungsmethode und ich eroberte mir meine Tränen zurück. Seit Ingo mich misstrauisch fragte, ob ich nur schauspielere, wenn mir vor Rührung die Tränen kommen, denke ich, dass alte Leute manchmal sentimental auf ihre alten Tage werden und ich schätze Sentimentalität nicht sehr. Vielleicht sollte ich mich wenigstens bei solchen Gelegenheiten mehr beherrschen und meine Tränen für mich behalten.
So, jetzt lese ich noch ein wenig, dann schlafe ich noch ein wenig, dann reise ich noch ein wenig, dann bin ich da.