23.8.09, Srinagar Hotel, Tansen, Palpa, Nepal

Reisebericht Nepal Sommer 2009With 0 comments

Unsere vorletzte Nacht im Srinagar! Wir sind doch gerade erst eingezogen; vor ein paar wenigen Tagen, wie es scheint. Ich sollte in meinem Alter ja daran gewöhnt sein, aber der schnelle Fluss der Zeit überrascht mich immer wieder.

Heute Morgen bin ich wieder mit ausgesprochen schlechter Laune aufgewacht und habe sie mit mir rum getragen, bis ich meine erste Tasse Kaffee intus hatte. Ich trag’s mit Fassung.

Im Tagungshotel, dem White Lake, angekommen, stellte ich zu meiner Zufriedenheit fest, dass sowohl von Seiten des Hotels, als auch von Seiten der Teilnehmer alles bestens vorbereitet war. Ich hatte mir umsonst Sorgen gemacht, kam mir schon fast vor wie eine Glucke. Es sind ja einige erfahrene Trainer dabei, die wissen, was man alles braucht. Nach und nach trudelten die Trainees ein. Am Ende waren es 18 und mit einer Viertelstunde Verspätung konnte es losgehen. Eine – glücklicherweise kurze – einführende Rede von offiziellen Vertretern der lokalen Wirtschaftskammer und die beiden ersten, Rajendra und Umesh, konnten beginnen. Rajendra kann nur wenig Englisch und war während unseres Trainings entsprechend zurückhaltend. Deshalb hatte ich ihm den listigen Umesh als starke Hälfte zur Seite gestellt. Aber da gab es schon die erste Überraschung. Rajendra blühte in seiner Sprache auf und konnte seine langjährige Trainererfahrung so gut zum Einsatz bringen, dass er zum gewitzten Umesch nicht nur aufholen konnte; ich hatte den Eindruck, dass er sogar am Ende besser dastand als dieser.

Sie blieben gut in der Zeit, so dass unser Newcomer-Pärchen Rajib und Meena mit dem Thema „Success“ pünktlich ihr Debüt geben konnten. Sie waren aufgrund ihrer Unerfahrenheit nicht vorbelastet und mussten deshalb viel mehr von unseren Anregungen umsetzen. Entsprechend lebendiger war ihr Auftritt, auch die Teilnehmer bekamen mehr zu tun und es gab sogar einige Spiele und ein praktisches Experiment, mit einem Glas Wasser und einer Flasche mit ebensoviel Wasser. Diese kippte Raijb gleichzeitig in einen Eimer, um die Wirkung des „Flaschenhalses“ zu demonstrieren, von dem im Erfolgsmodell von bus1 die Rede ist. Ich bin sehr zufrieden mit der Performance der beiden, denen nur noch die Routine fehlt. Die beiden sind ein echter Gewinn für das Programm.

Den Abschluss bildeten unser Organisations-Genie Binaya, von der hiesigen Wirtschaftskammer. Ihm zur Seite stand die junge Kamala, die den Erwartungen entsprechend recht zurückhaltend war. Immerhin hat sie eine klare Stimme und ist den Teilnehmern sehr zugewandt. Nach einer kurzen Eröffnungsphase, wo sie gleich Autoritätsprobleme bekam (die Trainees hörten nicht recht auf sie), hat Binaya elegant übernommen und von da an das Geschehen bestimmt. Kamala kam noch mal kurz ins Spiel, aber es blieb ein Zwischenspiel. Binaya machte seine Sache sehr gut. Er hielt die Trainees zwar nicht so in Trab, wie das Vorgänger-Pärchen, aber dafür stellte er viele Fragen und die Trainees bekamen einen höheren Redeanteil, als bei allen anderen Vorgängern. Kamala braucht, wenn sie sich das Trainieren wirklich fest in den Kopf gesetzt hat, noch einiges an Ausbildung, die hier nur schwer zu organisieren sein wird.

Doch, ich bin sehr zufrieden mit diesem Tag und ich habe nun auch von den Teilnehmern, deren Englisch schwach ist, eine gute, teils ganz andere Vorstellung. Aber es ist schon spannend, wie sehr diese Beurteilung an der Sprache hängt. Da werde ich in Zukunft vorsichtiger sein. Englisch ist sowieso nur für die Weiterbildung interessant. Die bus1 und bus2-Trainings werden in Nepali gehalten. Dank Surendra, der morgen das bus-1-Training zusammen mit Yuba Raj abschließen wird, gibt es ja ein übersetztes Handout für die Trainees. Er hat sich sogar erboten, auch die Handouts für bus2 zu übersetzen. Voller Einsatz, sehr lobenswert.

Die Everest-Gruppe habe ich am Ende noch mal zusammen gerufen und die Akteure des Tages gebeten, Empfehlungen für die restlichen vier Kollegen zu geben, die morgen dran sind. Dann schickte ich diese vier hinaus und machte eine Anerkennungsrunde mit den sechs Teilnehmern von heute. Wie den meisten von euch bekannt sein dürfte, halte ich nicht viel vom Kritisieren. Das bisschen blinder Fleck, das die Leute mit sich rumschleppen, rechtfertigt in meinen Augen keinesfalls die Verletzungsgefahr, die von empfindlicher Kritik droht. Den meisten ist sowieso klar, wo es bei ihnen hapert. Das sollen sie lieber selber sagen. Ich jedenfalls hätte jeden einzelnen von Ihnen auf die Stirn küssen können, so toll fand ich sie, einschließlich derjenigen, die nicht so geglänzt haben.

Ingo ist da anderer Meinung. Er denkt, die Teilnehmer hätten einen Anspruch auf die „Wahrheit“. Die Anapurna-Gruppe scheint ja mehr Anlass dazu zu bieten, als die Everest-Gruppe. Soll er machen, solange ich nicht sicherstellen kann, dass der Inhalt der Kritik als Geschenk betrachtet wird, werde ich andere Wege finden, meinen Teilnehmern zu mehr Bewusstheit zu verhelfen.

Morgen geht es noch mal rund und für den Abend haben die Teilnehmer uns eine Party organisiert. Ich werde mich also noch mal austoben können, bevor es übermorgen früh um sieben Uhr losgeht, zur nächsten Station Birendranagar. Das kann bedeuten, dass ich einige Tage keinen Kontakt mehr zur Welt habe. Aber ich schreibe fleißig weiter…

Vom Frauenfest heute habe ich leider außer einigen festlich gekleideten Frauen tagsüber in den Straßen nicht viel mitbekommen, weil wir ja gleich ins Hotel gefahren sind. Na ja, die Nachbarn feiern wieder wie gestern.

Namasté, liebe Freunde.