19.8.09, 22.10 Uhr Srinagar Hotel, Tansen, Palpa

Reisebericht Nepal Sommer 2009With 0 comments

Hallo, allerseits,

jetzt habe ich alle Emails beantwortet, die Fotodokumentation des Tages sortiert und kann mich euch zuwenden.

Heute Morgen, hatte ich wie alle Tage, keine Lust aufzustehen. Ich habe hier überhaupt alle Tage morgens leicht schlechte Laune und das, obwohl ich meist vor dem Wecker aufwache. Aber da liegen bleiben auch langweilig ist und die harte Matratze mir bei über sieben Stunden Liegezeit sowieso Kreuzschmerzen bereitet, stehe ich halt auf.

Gott sei Dank hat Kaffee bei mir eine stimmungsaufhellende Wirkung, solange ich ihn in mäßigen Mengen konsumiere. Da ich andererseits nicht frühstücke, bekomme ich erst so gegen 10 Uhr die (er-)lösende Dosis. Allerdings hilft mir Trainings geben auch gegen Missstimmung.

Der Regen hingegen macht mir kaum was aus, wohl vor allem, weil’s warm ist und weil’s nach einer Weile meist aufhört (allerdings nach noch einer Weile auch wieder anfängt). Da wir hier auf 1400 m Höhe auf einem Sattel sind, ziehen natürlich auch dauernd die Wolken drüber, so dass wir oft auch Waschküchenwetter haben. Heute hatte ich genau 2 Minuten, um mir die Anapurna-Bergkette anzusehen, dann war wieder dicht.

Gesundheitlich ist bis jetzt alles in grüner Butter. Meines Wissens bin ich überhaupt noch nicht gestochen worden. Die wenigen Moskitos hier oben sind recht träge und nicht so stichfreudig. Das wird in Birendranagar wohl anders. Ups, da fällt mir ein ich habe seit Tagen keine Malariaprophylaxe genommen. Jetzt aber!

Keine Verdauungsprobleme, nur einen Hexenschuss habe ich mir gestern geholt. Klingt aber auch schon wieder ab. Ich wünsche mir, dass meine Gesundheit so gut in Schuss bleibt, wenn hier schon von Schüssen die Rede ist. Schön braun bin ich geworden, fällt mir gerade auf.

Heute saßen unsere Teilnehmer vollzählig um 10 vor neun auf ihren Stühlen. Mit so starker Reaktion habe ich nun denn doch nicht gerechnet. Nach der Simulation der gestrigen Themen haben wir die letzten Inhalte von bus 2 vorgestellt: Die Entwicklung alternativer Strategien, die Entscheidungsmatrix und schließlich den Aktionsplan. Diese Elemente werden morgen, wie gestern und heute auch im Tandem simuliert, damit sich die Paare aneinander gewöhnen und einen guten Trainingsanteil für das Training am Sonntag und Montag absolvieren können.

Morgen gibt es neben der Simulation wieder die Evaluation. Ich bin da ja sehr empfindlich. Ich hatte euch ja von letzter Woche erzählt, wo ich sagen wir, irritiert war von einer 2 (von 10 möglichen Punkten) für Trainerkompetenz. Inzwischen kenne ich meine Pappenheimer und kann die Ergebnisse hoffentlich gelassener hinnehmen, weil ich sie besser interpretieren kann.

Sehr spannend war heute auch der umgekehrte Fall, wo wir die Teilnehmer auf ihre Qualitäten und ihre Eignung als bus-Trainer eingeschätzt haben. Oioioi, ich wäre am Boden zerstört, wenn ich so streng beurteilt würde. Das werden wir natürlich auf keinen Fall in keine Richtung veröffentlichen. Aber ich hielt es nichts desto trotz für wichtig, dass wir uns als Train-the-Trainer ein möglichst klares Bild von den Fähigkeiten der Teilnehmer machen. Daraus können wir jetzt die Entwicklungsempfehlungen drechseln. Ermutigung ist gefragt. Zum Glück müssen wir keine Entscheidung über den Einsatz unserer Teilnehmer treffen, das geschieht auf anderer Ebene mit ganz anderen Faktoren.

Unsereins verliert vielleicht einen Auftrag, wenn die Evaluation schlecht ausfällt. Hier aber hängen ganze Existenzen dran. Mitsamt den Familien. Nicht vergessen: Nepal ist ein bitter armes Land, auch wenn hier in Tansen keiner zu hungern scheint und keiner bettelt, kriegen die Lastenschleppfrauen hundert Rupien am Tag. Ist ein Euro! Da überlege ich mir zweimal, ob ich jemanden durch ein unbedachtes Urteil Steine in den Weg lege. Ich halte euch auf dem Laufenden. Es war jedenfalls heute ein schneller Tag.

Heute gab’s zum Abendessen nepalesische Maultaschen. Sie heißen Momo und es sind Nudeltaschen mit Hähnchenfleischfüllung. Dazu gab es sauerscharfe Erdnusssoße. Natürlich waren die Momo völlig anders gewürzt, als so eine schwäbische Maultasche, aber sehr spannend. Unter dem Currygeschmack war ein – ich kann es nicht anders beschreiben – ein frisch-grüner Geschmack. Sehr geheimnisvoll. Habe ich noch nie geschmeckt. Es war aufgrund der Sprachbarriere leider nicht rauszubekommen, was das war.
Zum Mittag gibt es immer eine kleines Buffet mit Reis, einem Kartoffel-Bohnen-Curry, (bloß, dass es keine Bohnen sind), frittiertes Hähnchen oder Fisch, kalten Pickles und Papadam, flache, knusprige Kichererbsenfladen, die hier nur „Papad“ heißen. Und Salat, den ich nicht anfasse: „cook it, peel it, or leave it”. Und schließlich, was auf dem nepalesischen Essenstisch nie fehlt: Dal, also Linsen, die – im Gegensatz zu allen anderen Gerichten nicht scharf sind – in Suppenform über den Reis gegossen werden. Ich trinke weitgehend aus Flaschen; Cola oder versiegelte Wasserflaschen.

So, das war’s für heute. Gute Nacht.

Übrigens wusstet ihr, dass die Christen den Sonntag zum freien Tag nur deshalb erklärt haben, damit sie sich von den Juden unterscheiden. Das haben die Hindus und Buddhisten nicht nötig, deshalb der Sabbat, also Samstag als freier Tag hier. Historische Romane lesen bildet auch.