18.08.09, Tansen

Reisebericht Nepal Sommer 2009With 0 comments

An dieser Stelle grüße ich Andrea, meine Frau, denn Telefonieren ist wegen der Verzögerung doof für mich. Je ferner ich weile, desto fester schieße ich dich in mein Herz. Namasté meine Liebste!

Der Trainingstag begann mit zwei Modulen. Das eine war „Speech“, eine Rede zum 80. Geburtstag. Den späteren eigentlichen Teilnehmern soll hier die Gelegenheit gegeben werden, aus der Zukunft zurückzublicken.

Die Einzelreden vor dem Plenum ermöglichten uns gleichzeitig eine Einschätzung der Englischkenntnisse unserer Teilnehmer, die für weitergehende Schulungen wichtig sind. Das zweite Modul des Tages war „Vision“, wo die Teilnehmer eine Vision ihres Lebens in zehn Jahren entwickeln und ein Bild dazu malen.
Vor der Simulation der letzten drei Module von gestern und heute ging es dann zur Sache, denn die Paare für den ersten echten Trainingseinsatz unserer Teilnehmer vor zwanzig fremden Leuten am Sonntag und Montag sollten heute schon zusammen gestellt werden, damit sie sich daran gewöhnen, zu zweit zu arbeiten. Es wird ein Zweitagetraining mit 6 verschiedenen Modulen von bus 1, die sich jeweils 5 Trainerpaare aufteilen müssen, so dass jedes Trainerpaar etwa zwei Stunden zu tun hat. Ich werde die einen 5 Trainerpaare begleiten und Ingo die anderen 5.

Wir machten deutlich, dass wir darauf bestehen, dass jeweils ein starker und ein „im Wachsen“ begriffener Trainer zusammenarbeiten wird und ich holte mir von der Gruppe die Erlaubnis, mein Veto einzulegen, wenn ich die Wahl der Partner für ungünstig hielt. Nachdem ich dies geklärt hatte, bat ich die Teilnehmer aufzustehen und sich für einen Moment vor verschiedene mögliche Partner hinzustellen und zu überprüfen, ob er oder sie in Frage kam.

Als alle wieder saßen, fragte ich, wer sich eher für einen „wachsenden“ Trainer hält, und ich musste einige zurückpfeifen, die ihr Licht sei es aus Bescheidenheit, sei es aus Koketterie unter den Scheffel stellten. Dann bat ich die „Wachsenden“, einen Starken zu fragen, ob er bereit ist, mit ihm oder ihr zusammen zu gehen. Dabei gab es nur wenige Absagen und binnen kürzester Zeit standen die Paare fest. Die Kuh wäre vom Eis. Puhh!

Eigentlich rechne ich nicht mit Nachwehen. Soweit ich die Teilnehmer und ihre Beziehungen untereinander einschätzen kann, sind gute Paarungen zusammengekommen. Und auch auf meine eindringliche Nachfrage ist keiner vom Anspruch, ein bus-Trainer werden zu wollen, zurückgetreten.

Die Teilnehmer haben erst heute realisiert, dass sie am Sonntag und Montag tatsächlich vor echten eigenen Teilnehmern stehen. Und dass das eventuell eine gewichtige Herausforderung darstellt. Ich glaube, wir haben mit dem heutigen Tag in diesem Training, das ja schon in 3 Tagen zu Ende geht, einen Gang höher geschaltet.
Entsprechend hat sich die Atmosphäre verändert und die Teilnehmer gehen mit mehr Ernsthaftigkeit und Engagement an die Aufgaben. Ich habe allerdings den Eindruck, dass ihnen das gut tut. In der bislang ersten Abschlussrunde eines Tages war ich entsprechend zu Tränen gerührt, dieses Engagement zu sehen und natürlich einmal mehr die natürliche Schönheit der menschlichen Seele wahrzunehmen. Ich liebe meinen Job!

Ich bin mächtig gespannt auf den morgigen Tag, den wir dieses Mal mit einer Morgenrunde beginnen werden.
Nachdem es den ganzen Tag durchgeregnet hat – angenehm kühl, aber halt auch ein wenig trübsinnig – wurden wir bei der Rückfahrt zum Hotel mal wieder mit einem Blick auf des Anapurna-Massiv am Horizont belohnt. Das Wetter soll sich weiter bessern und dann bekommen wir die Achttausender ganz ohne Wolkenkleid zu sehen.

Anapurna-Massiv

Anapurna-Massiv

Dann erst mal auf Toilette. Am Seminarhotel geht das, wie gesagt, auf keinen Fall. Wenn man bedenkt, dass die Küche eines Restaurants durch seine Toiletten beurteilt werden kann… brrrr! Tatsächlich ist die Küche des Restaurants ein dunkles verschimmeltes Loch, wo man nur beten kann, dass alles möglichst lange in möglichst heißem Fett gegart wurde. Aber wenn ich ehrlich bin, plagt mich das nicht besonders, meine Vorsichtsmaßnahmen, wie nur aus Flaschen zu trinken und nur Gekochtes oder Geschältes zu mir zu nehmen, nehme ich zunehmend laxer. Es ist übrigens nicht zu fassen, wie oft man am Tag so die Finger in oder an den Mund nimmt. Nach der Toilette oder nach dem Geldscheine anfassen eigentlich überhaupt nicht anzuraten, aber schwer abzugewöhnen.

So, jetzt will ich muss eine Reihe Emails beantworten, die ihr mir so liebreizend gesandt habt. Gute Nacht.