16.8.09, 22.30 Uhr, Srinagar Hotel

Reisebericht Nepal Sommer 2009With 0 comments

Hurra! Endlich Internet! Und alle eure schönen Rückmeldungen auf meine ersten Zeilen aus der Ferne! Danke.

Das hatte allerdings zur Folge, dass ich jetzt erst mal meine angelaufenen Emailschulden beglichen habe. Das habe ich jetzt geschafft und hier kommen ein paar kurze Anmerkungen zum Tag:

Er fing regnend an. Hier regnet es sowieso alle 24 Stunden mindestens einmal. Der Regen hält aber die Moskitos in Schach, die hier oben aber ohnehin nicht sonderlich aktiv sind: bislang bin ich noch gar nicht gestochen worden. Das wird sich in der nächsten Woche wohl ändern. Und solange die Sonne nicht scheint bleibt es bei angenehmen 25 Grad. Außerdem wäscht der Regen die Feuchtigkeit aus der Luft. Paradox aber die erste Stunde nach dem Regen ist die Sicht klar und ich klebe nicht.

Bezüglich unseres Trainings: wir haben am Freitag gut vorgearbeitet, so dass wir unser Programm in ruhigem Takt abhandeln konnten. Drei Hauptpunkte standen an: Ein Überblick über die Woche, als Reaktion auf den in der Evaluation am Freitag als mangelhaft bewerteten Informationsfluss. Wir waren damit zwar nicht in der Hauptsache gemeint, aber so eine Wochenübersicht an der Wand ist auch für uns Trainer ganz hilfreich.
Während bus1 sich um die Unternehmerpersönlichkeit kümmert, geht es in bus2 mehr um das Unternehmen. Zur Erinnerung, Ingo und ich (und Anton und Monika) bilden Multiplikatoren aus, die ihrerseits angehenden Kleinunternehmern, die einen Kredit haben wollen, die unternehmerischen Grundlagen beibringen sollen.
Der zweite Punkt war dann der Einstieg in das erste von sieben Themen von bus2: Marktorientierung. Dabei geht es um die Einteilung der Produkte in Massen- bzw. Nischenprodukten mit der entsprechenden Strategie, die dann notwendig wird.

Der dritte Punkt behandelte wieder Trainer-Know how, nämlich die zukünftige Rolle unserer Teilnehmer als Moderatoren (im Englischen besser: facilitator) im Gegensatz zum Lehrer oder Vortragsredner.
Der Tag wurde beendet mit der Vorstellung des Portfolio-Konzeptes. Die Teilnehmer betrachteten ihre Produkte/Dienstleistungen nach Wachstums- und nach Marktanteilsgesichtspunkten und erfuhren einiges über Lebenszyklen von Produkten.

Die Teilnehmer und wir haben uns gut aufeinander eingespielt, der Flaschenhals bleibt die mangelnde Sprachkenntnis der Teilnehmer. Ich habe gelernt, dass ein Sprichwort wie: „Der Köder muss dem Fisch schmecken nicht dem Angler“ zwar leicht zu übersetzen ist, deshalb war es aber noch lange nicht verstanden. Und bei Sprichwörtern ist es wie bei Witzen, wenn du sie erklären musst, ist die Luft raus. Da ist einfache, bildliche Sprache gefragt, wobei ich nur langsam lerne, welche Bilder den Nepali geläufig sind.
Jedenfalls merke ich einmal mehr, dass ich zumindest im Englischen vorziehe zu moderieren, statt in einem klassischen Training Inhalte zu vermittelen.

Die Spiele werden zunehmend alberner. Die Männer haben schon echt Schwierigkeiten, diesen Blödsinn mitzumachen. Aber die Lachkugel rollt auf der schiefen Bahn und ist nicht mehr aufzuhalten.
Das Tandem mit Ingo ist heute bis auf eine kleine Infopanne meinerseits am Morgen glatt gelaufen.
Es ist unglaublich, in welchen Riesenschritten der Eingewöhnungsprozess voranschreitet. Soviel ist schon selbstverständlich: Das mehr oder weniger exotische Essen – heute gab’s Entenleber und noch was leicht knorpeliges unidentifizerbares in einer wohlschmeckenden Soße. Es war schon dunkel und ohne Strom bei einer Ölfunzel, war gnädigerweise nicht zu sehen, was ich aß. Binod, unser Roadmanager hatte uns ein besonderes Entenmahl versprochen. Tja, haut nicht immer hin. Wie gesagt, ich hab’s nicht gesehen und es war geschmacklich einwandfrei, die Konsistenz jedoch…

Dass der Strom heute ein paar Mal ausgefallen ist, stört nicht weiter. Hauptsache, es gab Strom, solange ich im Intenet war. Ich bin halt ein Glückspilz. Danke, liebes Universum.

Oh, man wird bescheiden und passt sich meist nach unten an. In Deutschland würde ich lieber einen Blasenriss riskieren, bevor ich mich auf eine solche verpisste Toilette setzen würde, doch nach kaum einer Woche stört es mich kaum noch, dass es statt Klopapier nur Wasser gibt. Gibt es dafür eigentlich ein gängiges Procedere? Ist jedenfalls nicht so leicht, sich beim Hintern waschen nicht die Hose einzusauen. Noch vor ein paar Tagen, hätte es mich sehr geekelt.

Erstaunt bin ich aber darüber, dass es in den doch recht dreckigen Straßen so wenig stinkt. Na, ich schätze der viele Regen und die Hanglage klären da einiges.
So, das war’s für den Tag. Gute Nacht.